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Aus dem Dorfe

Flieg Schmetterling, flieg
Das Aufziehen von Schmetterlingen ist Barbara Kümins schönstes Hobby
Raupen sammeln, um die wunderbare Verwandlung zu einem prächtigen Schmetterling zu beobachten, fasziniert die Bassersdorfer Papillonfrau Barbara Kümin immer wieder von Neuem. Was als kleines Hobby begann, wurde mittlerweile zur grossen Leidenschaft.

von Edith Lehmann

Verschiedene Raupenkästen stehen in Barbara Kümins Wohnung und auf dem Balkon. Der alte, selbstgebaute stammt aus dem Werkunterricht in der Primarschule, als sie die erste Raupe darin zog. Die grosse Überraschung, dass aus einer Raupe ein so schöner Schmetterling - ein prächtiger "Schwalbenschwanz" - schlüpfte, war ein Schlüsselerlebnis für die Schülerin. Kurz darauf bezogen ihre Eltern einen Schrebergarten in Kloten, wo Barbara fleissig Raupen sammelte und sie in ihrem Kasten aufzog. Also Grund genug, diesen Kasten nicht der Schule zurückzugeben, was sie eigentlich hätte tun müssen. Doch dieser Kasten war für ihre Raupensammlung wertvoll. In den Lehrjahren traten die Schmetterlinge zwar kurz in den Hintergrund, um sich nachher um so heftiger zum Hobby, ja zur Leidenschaft auszuweiten. Die in Kloten aufgewachsene und seit sechs Jahren in Bassersdorf ansässige Barbara Kümin hat beruflich nichts mit Natur, aber im weitesten Sinne mit Fliegen zu tun. Sie ist Simulatorpilotin in der Flugsicherungsschule von Sky Guide am Flughafen. Nebst dem Hobby Schmetterling sind Fotografieren und Zeichnen weitere Lieblingsbeschäftigungen, die sie mit grossem Talent ausführt.
In 25 Tagen von der Raupe zum Schmetterling
Wunderschöne grün/schwarz/ gold und schwarz/weiss/gold gestreifte Raupen, aus denen der "Schwalbenschwanz" - einer unserer grössten und schönsten einheimischen Schmetterlinge - entstehen wird, sitzen auf Blättern. Bereits verpuppte Exemplare kleben im zweckdienlichen Raupenkasten an den Seitenwänden und der Decke in Form von Gürtelpuppen. Der ganze Umwandlungsprozess von der ausgewachsenen Raupe zum Schmetterling, die Metamorphose, dauert zwischen 12 und 25 Tagen. Sie ist dabei auch von der Witterung abhängig. Die Raupen verpuppen sich laufend und spinnen sich dazu ein Seidenpolster als Unterlage. Bald sieht man bei den grünen und grauen Puppenhäuten den farbigen Schmetterling hindurchschimmern. Nach dem Schlüpfen muss der Falter Körperflüssigkeit in die Flügel pumpen, die aber vor dem Abfliegen wieder daraus weichen muss, was etwa zwei Stunden dauert. Diesen schönen Moment, da sich ihr Lieblingsschmetterling in der Hand halten lässt, geniesst Barbara um ihn zu betrachten. Im vergangenen Mai hat sie zusammen mit einem Kollegen aus Birchwil 80 "Schwalbenschwänze" freigelassen, die sie im letzten Oktober als Raupen in einem Fenchelfeld einsammelten und bei sich überwinterten. Der schwarz/gold/orange Falter mit den typischen Schwalbenschwanz-ähnlichen Spitzen an den Hinterflügeln legt seine Eier im Garten an Fenchel-, Karotten- und Dillpflanzen. Daneben benötigt er aber auch naturbelassene Stellen, wo Wildkräuter gedeihen.
Die von Menschen nicht sehr geschätzten Brennesseln sind für Falter wertvoll. Sie beherbergen die Raupen der schönsten und auffälligsten Tagfalter, so das "Tagpfauenauge" mit der schimmernd rostroten Grundzeichnung und den vier mehrfarbigen grossen Augenflecken; den "Admiral" mit der prächtigen Flügeloberseite mit leuchtend roten Bändern auf dunklem Grund; den "C- Falter" mit den C-förmigen gold und braun gefleckten Flügeln; das "Landkärtchen", dessen Flügelunterseite gefleckt ist und wie eine Landkarte aussieht; den gold/braunen "Kleinen Fuchs" mit den blauen Tupfen den Flügeln entlang. An solchen Brennesselblättern hängen in einem andern Raupenkistchen vier Stürzpuppen, so genannt, weil sie sich mit dem gesponnenen Seidenfaden an die Blätter hängen. Sie werden sich in nächster Zeit in prächtige "Tagpfauenaugen" verwandeln. Die Tagfalter sitzen im Spätsommer auch oft auf Herbstastern, Fetthennen oder dem Nektar-spendenden Sommerflieder.

"Kleines Nachtpfauenauge" fasziniert
Die Bassersdorfer Schmetterlingsfrau interessierte speziell das Verhalten des "Kleinen Nachtpfauenauges". Dieser einheimische Falter besitzt auf jedem der vier Flügel die namensgebenden Augenzeichnungen. Diese Raupenart webt zusätzlich um die Puppe einen Kokon, innerhalb der sie sich zur Puppe häutet. Barbara Kümin konnte sich 10 Kokon aus England beschaffen. Der Kokon ist ein zähes Material und wird leider nicht von allen Puppen durchbrochen, daher war ein bisschen Nachhilfe nötig. Vier Weibchen und vier Männchen schafften es. Weibchen sind nachtaktiv und bleiben tagsüber auf dem Zweige sitzen, ihren Duftstoff (Pheromon) verströmend und auf das Männchen wartend. Das Männchen kann mit seinen gefächerten Fühlern bis zu einem Kilometer Entfernung ein lockendes Weibchen aufspüren. Barbara Kümin trug die frisch geschlüpften Weibchen einzeln in ihren Schrebergarten Chloos. Nicht lange dauerte es jeweils, bis ein wildes Männchen um den Käfig flog und Einlass zum Weibchen begehrte. Die Männchen sind tagaktiv, obwohl sie zur Gattung Nachtfalter gehören.
Schmetterlinge sind ungeheuer artenreich und werden systematisch unterschieden als Tag- und Nachfalter. Ihre Spannweite beträgt zwischen 3,25 Milimeter bis 27 Zentimeter. Schöne bunte Schmetterlinge erfreuen Auge und Herz. Leider sind sie kurzlebig und auch seltener geworden. Tödliche Gefahr lauert ihnen von den Vögeln oder durch Gülle, die Gift für sie bedeutet. Achtlos werfen die Gärtner und Hobbygärtner aus Unwissenheit oft Abfallgemüse mitsamt Raupen auf den Komposthaufen. "Das dürfte niemals geschehen", sagt Barbara Kümin. Daher klärt sie die benachbarten Schrebergartenbesitzer auf und bittet sie, die Raupen nicht als Schädlinge zu betrachten. Seither erhält sie von allen Seiten Schmetterlingseier oder Raupen. "2001 ist ein aussergewöhnliches Jahr, ich habe an die 100 Raupen gefunden", stellt Barbara Kümin erfreut fest.
Im Computer registriert sie das Auffinden der Raupe, die Dauer der Verpuppung, das Schlüpfen, die Farbe und andere ihr wichtig erscheinende Angaben. Sie gestaltete eine bemerkenswerte Homepage mit ihren Lieblingen (http://home.datacomm.ch/b.kuemin/index.htm.), für die sie viel Lob erhält und die ihr Gedankenaustausch mit andern Schmetterlingsinteressierten ermöglicht. So kam sie dank Internet kürzlich zu einer Rarität. Ein Schweizer Feriengast auf Sardinien fand neben einem toten "Wiener-Nachtpfauenauge" Eier, wovon er einige mit nach Hause nahm. Er trat Barbara zwei von den neun daraus geschlüpften Raupen ab. Diese besitzen nun eine stattliche Grösse und haben sich bereits mehrmals gehäutet. Die Raupe erhält mit dem Wachstum immer wieder ein neues Kleid, das der Grösse angepasst ist. Barbara Kümin erwartet nun mit Spannung das Verpuppen und freut sich auf den grössten europäischen Falter.

Entwicklungszyklus des Schwalbenschwanzfalters
Mai Falter schlüpfen aus ihren überwinterten Puppen und legen im
Mai/Juni Eier an die Futterpflanzen der Raupen ab, daraus schlüpfen nach etwa 1 Woche die kleinen Raupen
Juni/Juli Nach etwa 1 Monat verpuppen sich die Raupen, die Falter schlüpfen im
Juli nach 12 bis 25 Tagen Puppenruhe
Juli/August Die Falter paaren sich und legen wiederum Eier
Juli/August/ Raupenfunde sind in all diesen Monaten
September/ möglich, die Entwicklungsdauer bleibt die
Oktober gleiche: etwa 1 Monat, dann folgt die Verpuppung. Diese Puppe überwintert und der Falter schlüpft im nächsten Mai

Barbara Kümin würde gerne einige von ihren brombeerblätter-fressenden rosa-flügeligen Stabheuschrecken abgeben. Sie sind pflegeleicht.

Bei Interesse bitte Telefon 01/836 47 67 oder e-Mail b.kuemin@datacomm.ch

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